Lienhart: "Der Koch hat mir gratuliert"

Profis
17.07.2021

Philipp Lienhart ist erst im Trainingslager zum Team gestoßen. Wegen der Europameisterschaft hatte der 25-Jährige ein paar Tage länger frei. Im Interview spricht der Österreicher über eine kleine Fußball-Euphorie in der Heimat, junge Kollegen und ein neues Familienmitglied.

Philipp, vervollständige bitte den Satz: „Hätte das 1:0 von Marko Arnautovic im EM-Achtelfinale gegen Italien gezählt…“

... hätte es für uns sehr gut ausgeschaut in diesem Spiel und wir wären am Ende vielleicht im Viertelfinale gestanden. So ging es halt torlos in die Verlängerung und wir haben letztlich 1:2 verloren.

Hast Du Dir in der Zwischenzeit angewöhnt, mit dem Jubel bei Toren ein bisschen zu warten?

Klar, du weißt mittlerweile, dass immer noch was kommen kann. Auch Situationen im Vorfeld des Tore, die du gar nicht auf dem Schirm hast. Aber trotzdem freue ich micht erstmal, wenn ein Tor fällt. Das ist als Fußballer einfach in dir drin.

In diesem Fall hat die Entscheidung letztlich auch gestimmt, auch wenn es brutal knapp war...

Zweimal sogar. Danach gab es ja auch noch eine Elfer-Aktion mit Stefan Lainer. Auch dieser Strafstoß wurde nicht gegeben, weil es vorher eine Abseitsposition gab. Es war ein bitteres Achtelfinale für uns. Ein kleiner Trost ist natürlich, gegen den Europameister ausgeschieden zu sein.

Wem hast Du im Finale die Daumen gedrückt?

Ich habe das Finale zuhause mit meiner Freundin angeschaut und hatte am Finaltag auch Geburtstag. Italien war mir im Turnierverlauf sehr sympathisch - obwohl ich den englischen Fußball eigentlich auch gerne mag. Das Ergebnis ging schon in Ordnung so letztlich.

Christian Streich weist regelmäßig darauf hin, wie eng es auf diesem Niveau zugeht - egal ob Europameisterschaft oder Bundesliga. Zwei, drei Zentimeter entscheiden über Turnier- oder Saisonverläufe. Auch wenn es jetzt zu euren Ungunsten war: Ist das nicht das Faszinierende am Fußball?

Ja, es geht eng zu und das macht es spannend. Ein kleiner Fehler des Verteidigers oder eine überragende Aktion des Stürmers kann Spiele entscheiden. In diesem Spiel gegen uns, nächstes Mal dann wieder für uns. Das ist dann natürlich umso schöner.

Wie wird das Abschneiden der österreichischen Nationalmannschaft hier in Deinem Heimatland gesehen? Gab’s schon Feedback vom Hotelpersonal oder in Schruns auf der Straße?

Ja, der Koch kam gestern zu mir und hat gratuliert. Er fand es cool was wir geboten haben und hat richtig mitgefiebert. Es freut uns sehr, dass wir Österreich bei dieser Europameisterschaft so mitnehmen konnten. Auch wenn die Enttäuschung nach dem Aus sehr groß war, überwiegt jetzt der Stolz über das Geleistete.

Und wie bewertest Du Deine persönliche EM? In zwei von vier Spielen hattest Du Einsatzzeit.

Dass ich spielen möchte, ist ja klar. Ich habe zweimal die Möglichkeit bekommen, mich zu zeigen und gerade das Spiel gegen Nordmazedonien war eine schöne und wichtige Erfahrung.

Man hat Dich nach der EM recht schnell wieder an der Dreisam mit Freundin und Hund gesehen. War Dir nach der sehr langen Bundesligasaison und dem Turnier nicht nach Urlaub?

Der Hund gehört ganz neu zu uns, er ist noch ein Welpen. Also haben wir uns dazu entscheiden, im gewohnten Umfeld zu bleiben, damit er sich bei uns einleben kann. Urlaub in Freiburg ist aber auch schön.

Wie heißt das neue Familienmitglied?

Balu, ein Golden Retriever.

Jetzt also Trainingslager und Saisonvorbereitung in Schruns. Beim 1:1 im Test gegen den FC Vaduz haben die EM-Fahrer und Olympiakandidaten noch gefehlt. Wie schwer ist es, mit zwei sehr gemischten Teams in so einer Partie in den Spielfluss zu kommen?

Gerade in der ersten Hälfte war ich positiv überrascht, wie gut Vaduz rausgespielt hat. Da war echt Qualität auf dem Platz. Bei uns hat man schon gemerkt, dass wir erst in die Vorbereitung gestartet sind und ein paar intensive Einheiten in den Beinen haben. Wenn die Mannschaft in der Zusammenstellung so dann noch nicht oft gemeinsam gespielt hat, wird es schwierig. Die Trainer werden die Fehler ganz sicher analysieren mit uns. Dafür sind solche Tests ja auch da.

Viele junge Kollegen hast Du in diesem Trainingslager um Dich. Fühlt sich das für Dich ein bisschen nach neuer Rolle an? Obwohl Du selbst vor noch nicht allzu langer Zeit zu den jüngeren im Team gehört hast?

Seit ein paar Tagen bin ich jetzt auch schon 25. Ich will diese Führungsrolle einnehmen und den jungen Spielern helfen. Es ist gut, wenn aus dem eigenen Nachwuchs immer wieder Jungs nachstoßen. Ich habe immer ein offenes Ohr für alle möglichen Fragen, die die jungen Spieler haben und möchte auch auf dem Platz mit klarer Ansprache helfen.

Ansonsten sollte das System stabil sein. Es gibt nicht so viele Abgänge aber auch noch keine externen Zugänge. Wie siehst Du dieser Saison entgegen?

Mit großer Vorfreude. Wir hatten es ja eben schon davon, dass Kleinigkeiten wieder entscheidend sein werden. Daran werden wir die nächsten Wochen arbeiten. Aber ich glaube schon, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben und jeder weiß, was von ihm verlangt wird. Da sind wir auf jeden Fall konkurrenzfähig und können wieder eine gute Runde spielen.

Samstag ist Regeneration, auch wenn Du noch nicht viel zu regenerieren hast. Wie verbringt Philipp Lienhart die freie Zeit im Hotel?

Ich habe vormittags in kleiner Gruppe trainiert. Nachmittags schauen wir mal, was das Wetter macht. Wenn es trocken ist, fahren wir vielleicht hoch auf den Berg. Das Panorama ist hier natürlich sensationell.

 

Interview: Sascha Glunk

Foto: Achim Keller

 
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