Federico: "Dem BVB noch eng verbunden"

Profis
04.04.2025

Jeder Club hat seine Kultfiguren. Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund kommt eine der Legenden des nächsten SC-Gegners zu Wort: Giovanni Federico

Herr Federico, wie fühlt es sich an, als Kind und Jugendlicher Fan eines Vereins zu sein und später als Profi für jenen dann selbst auflaufen zu dürfen?

Federico: Davon träumt jedes Kind. Ich bin in Hagen aufgewachsen, südlich von Dortmund. Viele Menschen hier waren und sind Fans vom VfL Bochum, dem 1. FC Köln oder eben Borussia Dortmund. Ich mochte als Kind alle drei Clubs, war aber zunächst geprägt vom italienischen Fußball.

Kein Wunder, wenn der Papa Italiener ist ...

Federico: … und vor allem heißblütiger Fan des SSC Neapel. Mit acht, neun Jahren – Ende der 80er-Jahre – war ich mit meinem Papa das erste Mal im legendären Stadio San Paolo in Neapel. Damals durfte ich jenen Fußballer live erleben, nach dem das Stadion heute benannt ist: Diego Maradona. Er wird in der Stadt heute noch vergöttert. Erst letzten Sommer war ich mit meinen drei Söhnen in Neapel, auf den Spuren des leider schon verstorbenen Weltstars. Das hat auch sie beeindruckt – wie mich damals.

Sie sind knapp 20 Kilometer vom Westfalenstadion entfernt aufgewachsen. Wieso sind Sie nicht früher beim BVB gelandet, sondern erst 2007 – mit schon 27 Jahren?

Federico: In der Jugend spielte ich sechs Jahre lang für den VfL Bochum. Dort war ich auch sehr glücklich. Mein Schritt zu den Profis gelang mir vergleichsweise spät. Heute werden Spieler viel früher bei den Profis eingesetzt, häufig schon als A-Junioren. Ich spielte nach meinen Jugendjahren zunächst für die Amateure des VfL Bochum, später für die des 1. FC Köln.

Ihr Stern als Profi ging dann erst so richtig beim Karlsruher SC auf. Was hatte den Ausschlag gegeben?

Federico: Ich war schon fast 25, als ich 2005 von Köln nach Karlsruhe ging. Der Tapetenwechsel tat mir gut. Zudem hatte ich dort auch das gewisse Spielglück, weil mir direkt in meinem ersten Zweitligaspiel ein Treffer gelang, ich mich schnell in der Mannschaft festbiss, einen Stammplatz erhielt – und diesen auch behielt. In meiner ersten Saison gelangen mir als offensiver Mittelfeldspieler 14 Tore und sieben Assists, in der zweiten waren es dann 19 und 14.

Weswegen Sie das Fachmagazin „Kicker“ damals zum Zweitligaspieler der Saison 2005/06 kürte. Fühlten Sie sich ab diesem Zeitpunkt bereit für die große Bühne Bundesliga?

Federico: Ich hatte damals sehr viele Angebote von vielen großen Vereinen. Aber es war eine Herzensangelegenheit für mich, zum BVB zu wechseln. Ich kannte das Stadion, die „Gelbe Wand“, wollte Teil des Teams und des Vereins werden. Und dann dort aufzulaufen – das war schon großartig.

Der Einstand in Dortmund glückte: Bereits am vierten Spieltag der Saison 2007/08 gelang Ihnen der erste Treffer im BVB-Trikot – zudem war es das Siegtor beim 1:0-Erfolg bei Hansa Rostock.

Federico: Für mich lief es in der Saison in der Tat ganz ordentlich. Am Ende kam ich auf 30 Bundesligaspiele, vier Tore und acht Assists. Und doch war die Spielzeit für den BVB nicht zufriedenstellend. In der Saison zuvor hatte die Borussia schon gegen den Abstieg gespielt. Dabei war der Anspruch des Vereins, immer im oberen Tabellendrittel zu landen. Das haben wir damals nicht geschafft, auch weil wir viel zu viele Punkte liegengelassen hatten. Tabellenplatz 13 war am Ende jedenfalls nicht die Platzierung, die sich Trainer, Team und Clubchefs gewünscht hatten.

Nach der Saison ging Trainer Thomas Doll, auf ihn folgte Jürgen Klopp. Und plötzlich spielten Sie keine Rolle mehr …

Federico: Ich hatte vor dem Saisonstart viele gute Gespräche mit Jürgen Klopp geführt. Er war immer total ehrlich und offen, dafür schätze ich ihn bis heute. Er sagte mir, dass ich nicht in sein Spielsystem passen würde. Dennoch wollte ich erst einmal bleiben, bekam allerdings kaum mehr Spielzeit.

Daher verließen Sie Borussia Dortmund nach anderthalb Jahren wieder, gingen im Winter zurück zum KSC, später noch zu Arminia Bielefeld und zum VfL Bochum.

Federico: Ich war wirklich nicht lange beim BVB, bin dem Verein aber bis heute eng verbunden: als Teil der Traditionsmannschaft. Aber auch mit vielen ehemaligen Spielern habe ich noch Kontakt. Im Herbst war ich beim Abschiedsspiel von Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski dabei. Mit letzterem hatte ich beim BVB zusammengespielt. Das war schön, die ehemaligen Mitspieler wieder zu treffen. Auch mit Mats Hummels stehe ich bis heute in engem Kontakt, will ihn bald auch mal in Rom besuchen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie heute anders machen würden?

Federico: Ich würde das meiste genau so wiederholen. Eine Sache gibt es aber, die ich definitiv anders machen würde: Ich würde mich als Profi hier und da mehr quälen. Vor allem im Training mehr Ehrgeiz an den Tag legen, um noch mehr aus mir herauszuholen. Der eine oder andere Schritt mehr hätte mir und meiner Karriere sicherlich gutgetan.

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift: Christian Hock (54) lief für den 1. FSV Mainz 05 zwischen 1994 und 2003 in 247 Pflichtspielen auf, erzielte dabei 27 Tore und legte 31 Treffer auf. Nach mehreren Trainerstationen, unter anderem beim SV Wehen Wiesbaden, ist er seit Sommer 2023 Geschäftsführer bei Kickers Offenbach.

Dieser Text erschien erstmals in unserem Stadionmagazin "Heimspiel", das hier auch im Abo erhältlich ist.

 
Ihr Browser ist veraltet.
Er wird nicht mehr aktualisiert.
Bitte laden Sie einen dieser aktuellen und kostenlosen Browser herunter.
Chrome Mozilla Firefox Microsoft Edge
Chrome Firefox Edge
Google Chrome
Mozilla Firefox
MS Edge
Warum benötige ich einen aktuellen Browser?
Sicherheit
Neuere Browser schützen besser vor Viren, Betrug, Datendiebstahl und anderen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Aktuelle Browser schließen Sicherheitslücken, durch die Angreifer in Ihren Computer gelangen können.
Neue Technologien
Die auf modernen Webseiten eingesetzten Techniken werden durch aktuelle Browser besser unterstützt. So erhöht sich die Funktionalität, und die Darstellung wird verbessert. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen werden Sie schneller und einfacher im Internet surfen können.